Possi's Marokko-Tour 1995 (2)

V 1.1.7 vom 27.02.96, letzter Update 16.09.04 ©1996


Dokumentation Marokko - hier gehts zu den Bildern

Allgemeines:

Marokko ist ein in vieler Hinsicht ideales Urlaubsland: viele kulturelle Sehenswürdigkeiten gepaart mit fantastischen Landschaften, dazu der Reiz einer orientalischen Kultur, im eigenen Fahrzeug erreichbar, mit vielen machbaren Abenteuern aufwartend und obendrein noch preiswert. Das Land kann grob in 4 Regionen eingeteilt werden, im Norden das Rifgebirge und die Mittelmeerküstenregion, im Westen die dichter bevölkerte Atlantikküste und deren Hinterland, das Atlasgebirge nebst Antiatlas, über 4000 Meter hoch, und der Süden, der sehr trocken und heiß ist, allmählich in die Sahara übergehend. Die rund 25 Millionen Marokkaner bewohnen vorwiegend den nördlich des Atlasgebirges liegenden, fruchtbaren Landesteil. Sie sprechen arabisch, diverse Berberdialekte, teilweise auch französisch. Staatsform ist die Monarchie, Staatsreligion der Islam. Fundamentalistische Tendenzen spielen in Marokko bisher im Gegensatz zu den Nachbarländern kaum eine Rolle, der Tourist kann sich sicher fühlen. Polizei und Verwaltung treten überall sehr korrekt und diszipliniert auf und verhalten sich durchweg freundlich gegenüber Europäern, was in Afrika keineswegs selbstverständlich ist. Ein korrektes Auftreten wird auch von uns erwartet, speziell die Deutschen und ihre Produkte genießen hohes Ansehen.

Reisezeit und Klima:

Im Norden mediterranes Klima ähnlich Spanien. Im Westen atlantischer Einfluß mit Passat-Wind und Tiefausläufern, die sich vor den Bergen abregnen. Im Atlas häufig bewölkt, gelegentlich Regen, in höheren Lagen im Winter geschlossene Schneedecke, es gibt sogar Skigebiete. Bis März/April muß auf hochgelegenen Strecken mit Schnee gerechnet werden, die geteerten Pässe werden aber geräumt. Im Mai hatten wir auch dort bereits erträgliche Temperaturen um 15 Grad, nachts 5 Grad. In der Sahara dagegen ab Mai sehr heiß, Tageswerte bereits deutlich über 30 Grad im Schatten (den gibts aber unterwegs kaum!), im südlichen Atlas und Antiatlas angenehme 25 Grad. Die beste Reisezeit für den Süden dürfte also Februar/März bzw. Oktober/November sein, für die Berge ist es dann allerdings zu kalt, so daß Mai ein günstiger Kompromiß für das ganze Land ist.

Bevölkerung:

Die Marokkaner sind sehr gastfreundlich. Man sollte Einladungen nur annehmen, wenn man sich mit Geschenken revanchieren kann und genug Zeit hat. Zu bedenken ist allerdings, daß viele Menschen sich durch Kontakt zu einem Ausländer irgendwie eine Einladung oder Vermittlung einer lukrativen Arbeit, z.B. in Deutschland erhoffen. Ich will nicht drumherumreden: Kinder und Jugendliche (besonders in den Dörfern des Hochatlas) sind eine Sache für sich. Auf der ganzen Reise ist uns kein Kind begegnet, das einfach nur spielte: da man uns stets früher warnahm, als umgekehrt, sahen wir Kinder eigentlich nur laufen, und zwar immer in die gleiche Richtung - auf uns zu. Die Kinder wissen genau, wo die Schlüsselstellen der Wege sind (Gabelungen, Flußdurchfahrten, steile Geröllpassagen usw.), und versuchen stets in völlig lebensmüder Art, uns dort zu stoppen. Dabei geht es immer nur um das Eine: haben wollen. Stifte, Dirhams, Zigaretten. Die Finger der Kinder sind überall, reißen Aufkleber herunter und versuchen Expandergummis abzumontieren, im Dutzend drängen sie sich um unsere Maschinen. Wir habe alle Mühe, das Gleichgewicht zu halten, an Absteigen ist oft garnicht zu denken. In jedem Dorf das Gleiche, ermüdend. Die Erwachsenen nehmen keine Notiz vom Verhalten ihrer Sprößlinge. Steinewerfer kann man durch frühzeitiges Winken meist noch "umstimmen". Eine Ursache für dieses Verhalten trafen wir in Gestalt einer naiven Österreicherin, die an einem organisierten Geländewagenausflug ins Atlasgebirge teilnahm, und die uns ganz stolz erzählte, daß sie eine ganze Keksdose voll Kugelschreiber an die Kinder verschenkt habe (man sollte die mal ohne Keksdose mit einem Fahrrad dort absetzten, 200 km Piste in alle Richtungen. Viel Vergnügen!) Insgesamt ist das Verhalten der Kinder unangenehmer als in anderen nordafrikanischen Ländern, eine Tatsache, die sogar im marokkanischen Fernsehen herausgestellt wurde, da sie dem Tourismus-Geschäft sehr schadet. Denn der durchschnittliche Agadir-Flugtourist traut sich - wenn überhaupt - nur noch in der Gruppe mit seinem Reiseleiter aus seinem Bade-Ghetto. An ein unbelästigtes Spazierengehen ist nicht mehr zu denken.

Formalitäten:

Paß, Führerschein national, Fahrzeugschein, für Marokko gültig geschriebene grüne Versicherungskarte, Schutzbrief mit Fahrzeugrückholversicherung. Die Einreiseformalitäten dauern höchstens eine Stunde. Ordentliches Aussehen wird hier überprüft, um abgerissene Kiffer vom Land fernzuhalten.

Währung:

Landeszahlungsmittel ist der Dirham (DH). Seine Ein- und Ausfuhr ist nicht gestattet, ein Schwarzmarktkurs existiert allerdings nicht. Es galt im Mai 1995 etwa 1 DM = 6 DH. Ich habe DM bar getauscht, Reiseschecks gehen natürlich auch. Eine Kreditkarte sollte man zusätzlich mitnehmen, braucht man aber eher auf der Anreise in Europa. Das Bankwesen in Marokko ist suffizient.

Anreise:

Auf dem Landweg von München etwa 2500 km bis Almeria, etwas weiter bis Algeciras in Südspanien. Wir haben die fertig präparierten Maschinen einfach im Fahrerwechsel auf dem Auto-Anhänger in 2 Tagen zur Fähre in Spanien gebracht. Wer auf dem Motorrad anreist und eine Endurotour plant, darf die groben Reifen erst im Marokko montieren, sonst sind sie dort bereits verschlissen. Die Fähre nach Melilla fährt täglich, Fahrzeit sechs Stunden. Buchung vor Ort ist billiger als bei uns. Achtung: die Campingplätze in Ceuta und in Melilla existieren nicht mehr! Bequem ist die Reise mit der Fähre von Sete in Südfrankreich nach Tanger, die Überfahrt dauert aber eineinhalb Tage und ist teuer.

Route:

Für uns Europäer ist das Atlasgebirge und der Süden sicher am reizvollsten. Gewarnt wird vor dem zentralem Rifgebirge im Norden, speziell die Gegend um Ketama (Reiseführer lesen, Drogengebiet). Wir sind eine sehr selektive Route gefahren, die sich aber leicht vereinfachen läßt (siehe Karte und Text). Sie ist etwa 5500 km lang, der Pistenanteil mit etlichen Abstechern lag bei etwa 20 %, der Zeitbedarf für die Pistenetappen dagegen bei fast 50%. Das bedeutet praktisch täglich weiterzufahren, um den Tagesschnitt von 200 km zu erreichen. Natürlich sind hierbei auch Ruhetage bzw. Stadbesichtigungen eingeplant. Die Tour (hier die hochauflösende Karte meiner Tour, ein 466 Kbyte JPG) ist in dreieinhalb bis vier Wochen gut zu machen, hinzu kommt noch der Zeitbedarf für die Anreise durch Europa.

Essen und Übernachtung:

Problemlos. Es gibt in größeren Orten Pensionen und Hotels, oft sogar im Atlasgebirge, dort allerdings sehr einfach. Wildes Zelten erfordert einen uneinsehbaren Platz, sonst sind sofort die Kinder da und man hat keine Ruhe mehr. Es gibt auch etliche angelegte Zeltplätze, die sehr billig sind. Der Zustand der Sanitäranlagen ist fast überall unzureichend, gemessen an unseren Gewohnheiten. Das Essen ist einseitig: Couscous (Gries mit Gemüse), Brochette (Fleischspieße), Tagine (Gemüse im Tontürmchen mit Suppenfleisch oder Huhn), am Meer zusätzlich noch Fisch. Wer mehr Auswahl will, muß in sehr gute Restaurants gehen, die man nur in größeren Orten findet. Vorsicht mit nicht abgekochten Speisen, z.B. Salaten (die oft sehr gut schmecken!) und mit Wasser. Mit entsprechender Vorsicht lassen sich längere Durchfallerkrankungen vermeiden.

Gesundheit:

Erweitertes Erste-Hilfe-Set., Immodium oder Lopedium gegen Durchfall, Aspirin, Betaisadonnasalbe, Micropur zur Wasserdesinfektion sowie evtl. persönlich erforderliche Medikamente. In Marokko gibt es eine brauchbare medizinische Grundversorgung und ordentlich sortierte Apotheken. Eine Malaria-Prophylaxe ist derzeit nicht erforderlich. Tetanus-Schutz überprüfen, die letzte Auffrischung sollte nicht länger als 5 Jahre zurückliegen.

Motorrad und Ausrüstung:

Jedes robuste Motorrad ist für eine Marokkoreise geeignet. Wer die besonders attraktiven, ursprünglichen Gebiete kennenlernen will, braucht eine Enduro. Reifen: ich empfehle in diesem Fall den Michelin Desert, sehr harter Mantel mit offenem, groben Gummiprofil, läßt sich auf den meisten größeren Enduros aufziehen. Das Reifenflicken muß man beherrschen (wir kamen mit vorsorglich eingefüllter Reifendichtmilch ohne Platten durch). Benzinfilter montieren. Nicht-Kardan-Fahrer: neuen O-Ring-Kettensatz in Erstausrüsterqualität montieren, in Sand und Staub trocken fahren, um ein "Panieren" der Kette zu vermeiden, so erzielt man eine Lebensdauer von mindestens 10000 km. Luftfilter regelmäßig reinigen, auf korrekten Sitz achten! Im Mai fuhr ich in Marokko eine textile Cross-Hose und -Jacke mit Protektoren (ohne Membrane - sonst zu heiß in der Sahara!), darunter einen Motocrosspanzer. So fühlt man sich auch im derben Geröll einigermaßen sicher. Regenkombi und Daunenweste (wenn es kalt wird, bis April/Mai) mitnehmen. Campingausrüstung: sofern man nicht nur in Hotels gehen will - eine hochwertige Campingausrüstung mit Leichtzelt, Schlafsack und Isomatte braucht nur 4 Kilo zu wiegen! Richtig ausgerüstet für echte Enduroambitionenen ist, wer bis zu 15, keinesfalls mehr als 20 Kilo Gesamtgepäckgewicht mitschleppt.

Fahrtechnik:

Vorsicht ist oberstes Gebot. Keine scharfen Schräglagen, es gibt überall Tiere, Ölflecken und Schlaglöcher. LKWs sind oft nicht bereit, woanders als in Fahrbahnmitte zu fahren, das bedeutet, daß der Motorradfahrer bei den in Marokko üblichen eineinhalb Fahrbahnbreiten bereits in den Straßengraben muß. Trotzdem ist der Verkehr gemessen an afrikanischen Verhältnissen relativ diszipliniert. Im Gelände Rücksicht nehmen auf Esel- und Kamelreiter, Tiere scheuen leicht, immer hinter den Tieren vorbeifahren. Bei Flußdurchquerungen größeren Ausmaßes (in Winter und Frühjahr) bitte zuerst zu Fuß die Lage sondieren (Radlager zuhause vorher nochmals satt einfetten, evtl. Vergaserbelüftung daheim mit Schlauch hochlegen)! In der Sahara gilt besondere Umsicht. Nie voll fahren, gerade die scheinbar einfachen, schnellen Strecken sind die gefährlichsten. Die Reifen sollten (vorne und hinten!) in sandigem Gelände sehr angenehm mit 0,9 bar (nachmessen, bitte nicht weniger!) gefahren werden. Auf Steinpisten sofort auf 1,5 bar oder mehr aufpumpen. Im Dünengelände lernt man eines sehr schnell: nie an der falschen Stelle stehenbleiben, sonst kostet es viel Schweiß, wieder loszukommen (anfahren bergan ist praktisch unmöglich!).

Orientierung:

Planungsgrundlage ist die übersichtliche 1:1 000 000 Michelin-Karte 959, evtl. ergänzt um die Blätter im Maßstab 1:500 000 von Edition Carima, die aber auch nicht viel mehr Informationen enthalten. Es gibt noch andere Karten, die aber eher schlechter sind. Die ADAC-Karte mit Kurzbeschreibung der Reiseziele ist für Mitglieder sogar umsonst. In allen Karten sind diverse Fehler enthalten, am wenigsten noch in der Michelin. Ein großer Nachteil der Michelin ist das fehlende Koordinatengitter. Es existieren fein gezeichnete topographische Karten in 1:200 000 bis 1:1 000 000 französischen Ursprungs, die ich mir schon vor Jahren aus dem großen staatlichen Kartengeschäft in Algier mitgebracht habe, diese dürften bei uns schlecht erhältlich sein. Man muß sich klar sein, daß echte Wüstenfahrten Vorsicht und Erfahrung erfordern. Nie alleine fahren, zu zweit ist auch schon knapp! Auf meiner Maschine habe ich einen Jollenkompass in Gummi aufgehängt montiert, das hilft die Richtung zu halten bei schneller Geradeausfahrt ohne Horizontfixierpunkt, was aber in Marokko kaum vorkommt. Außerdem habe ich den Satellitennavigator GPS40 von Garmin am Lenker montiert, in Schwinggummis gelagert und über Spannungswandler vom Bordnetz versorgt. Das Gerät wiegt nur 190 Gramm und war sehr nützlich, insbesondere auch deswegen, weil es die soeben gefahrene Route graphisch am Display anzeigen kann. Man sollte regelmäßig Bezugspunkte speichern, und bereits zuhause die Bedienung üben. Im Atlasgebirge hat man oft das Problem, daß sich die Pisten gabeln, ohne daß das auf der Karte eingezeichnet ist. Hier hilft nur Gefühl für die richtige Richtung, Kompaß und Geländebeobachtung weiter. Wenn Wegweiser existierten, dann sind sie oft demontiert oder mutwillig unleserlich gemacht worden, damit Fremde stoppen müssen. Auf keinen Fall den sich aufdrängenden Kindern glauben! Wenn man schon fragt, dann einen erwachsenen, möglichst ordentlich aussehenden Mann (Frauen kichern nur und laufen meist weg).

Fotografieren:

Eine große Fotoausrüstung auf einer Enduro mitzuschleppen, ist nicht jedermanns Sache. Ich hatte zwei robuste, 15 Jahre alte Kameras und 6 hochwertige Festbrennweiten im Einsatz (Vorsicht mit Sand!). Zu empfehlen sind starke Weitwinkel für Landschaftsaufnahmen. Polfilter sollte man eher sparsam einsetzen, sonst wird der Himmel leicht schwarzblau. Als Diamaterial kann ich sowohl den Fuji Velvia wie den Kodak Elite empfehlen. Wenn man Menschen fotografieren will, muß man vorher fragen. Der Prophet verbietet es nämlich, ein Abbild des Menschen auf Erden zu schaffen, aber das nehmen viele Marokkaner nicht so genau, zu Not hilft Bakschisch.

Kosten:

Ein preiswertes Reiseland. Sprit ca. 1.15 DM/l (nur Super tanken!), einfaches Restaurant 3-10 Mark, Doppelzimmer 5-10 Mark, in guten Hotels 30 Mark. Die schnelle Anreise durch Frankreich und Spanien ist teuer, hohe Spritkosten und Autobahngebühren. Fähre ca. 70 Mark (Almeria-Melilla). bzw. 40 Mark (Ceuta-Algeciras). Ich habe in knapp 4 Wochen in Marokko selbst etwa 1200 Mark ausgegeben (einschließlich viel Sprit), ohne daß wir uns besonders eingeschränkt hätten.

Adressen:

Literatur:

Text: ©Possberg 1995


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