V 1.1.7 vom 27.02.96, letzter Update 16.09.04 ©1996
(besonders in den Dörfern des Hochatlas) sind eine Sache für sich. Auf der ganzen Reise ist uns kein Kind begegnet, das einfach nur spielte: da man uns stets früher warnahm, als umgekehrt, sahen wir Kinder eigentlich nur laufen, und zwar immer in die gleiche Richtung - auf uns zu. Die Kinder wissen genau, wo die Schlüsselstellen der Wege sind (Gabelungen, Flußdurchfahrten, steile Geröllpassagen usw.), und versuchen stets in völlig lebensmüder Art, uns dort zu stoppen. Dabei geht es immer nur um das Eine: haben wollen. Stifte, Dirhams, Zigaretten. Die Finger der Kinder sind überall, reißen Aufkleber herunter und versuchen Expandergummis abzumontieren, im Dutzend drängen sie sich um unsere Maschinen. Wir habe alle Mühe, das Gleichgewicht zu halten, an Absteigen ist oft garnicht zu denken. In jedem Dorf das Gleiche, ermüdend. Die Erwachsenen nehmen keine Notiz vom Verhalten ihrer Sprößlinge. Steinewerfer kann man durch frühzeitiges Winken meist noch "umstimmen". Eine Ursache für dieses Verhalten trafen wir in Gestalt einer naiven Österreicherin, die an einem organisierten Geländewagenausflug ins Atlasgebirge teilnahm, und die uns ganz stolz erzählte, daß sie eine ganze Keksdose voll Kugelschreiber an die Kinder verschenkt habe (man sollte die mal ohne Keksdose mit einem Fahrrad dort absetzten, 200 km Piste in alle Richtungen. Viel Vergnügen!) Insgesamt ist das Verhalten der Kinder unangenehmer als in anderen nordafrikanischen Ländern, eine Tatsache, die sogar im marokkanischen Fernsehen herausgestellt wurde, da sie dem Tourismus-Geschäft
sehr schadet. Denn der durchschnittliche Agadir-Flugtourist traut sich - wenn überhaupt - nur noch in der Gruppe mit seinem Reiseleiter aus seinem Bade-Ghetto. An ein unbelästigtes Spazierengehen ist nicht mehr zu denken.
Fahrerwechsel auf dem Auto-Anhänger in 2 Tagen zur Fähre in Spanien gebracht. Wer auf dem Motorrad anreist und eine Endurotour plant, darf die groben Reifen erst im Marokko montieren, sonst sind sie dort bereits verschlissen. Die Fähre nach Melilla fährt täglich, Fahrzeit sechs Stunden. Buchung vor Ort ist billiger als bei uns. Achtung: die Campingplätze in Ceuta und in Melilla existieren nicht mehr! Bequem ist die Reise mit der Fähre von Sete in Südfrankreich nach Tanger, die Überfahrt dauert aber eineinhalb Tage und ist teuer.
uneinsehbaren Platz, sonst sind sofort die Kinder da und man hat keine Ruhe mehr. Es gibt auch etliche angelegte Zeltplätze, die sehr billig sind. Der Zustand der Sanitäranlagen ist fast überall unzureichend, gemessen an unseren Gewohnheiten. Das Essen ist einseitig: Couscous (Gries mit Gemüse), Brochette (Fleischspieße), Tagine (Gemüse im Tontürmchen mit Suppenfleisch oder Huhn), am Meer zusätzlich noch Fisch. Wer mehr Auswahl will, muß in sehr gute Restaurants gehen, die man nur in größeren Orten findet. Vorsicht mit nicht abgekochten Speisen, z.B. Salaten (die oft sehr gut schmecken!) und mit Wasser. Mit entsprechender Vorsicht lassen sich längere Durchfallerkrankungen vermeiden.
Reifen: ich empfehle in diesem Fall den Michelin Desert, sehr harter Mantel mit offenem, groben Gummiprofil, läßt sich auf den meisten größeren Enduros aufziehen. Das Reifenflicken muß man beherrschen (wir kamen mit vorsorglich eingefüllter Reifendichtmilch ohne Platten durch). Benzinfilter montieren. Nicht-Kardan-Fahrer: neuen O-Ring-Kettensatz in Erstausrüsterqualität montieren, in Sand und Staub trocken fahren, um ein "Panieren" der Kette zu vermeiden, so erzielt man eine Lebensdauer von mindestens 10000 km. Luftfilter regelmäßig reinigen, auf korrekten Sitz achten! Im Mai fuhr ich in Marokko eine textile Cross-Hose und -Jacke mit Protektoren (ohne Membrane - sonst zu heiß in der Sahara!), darunter einen Motocrosspanzer. So fühlt man sich auch im derben Geröll einigermaßen sicher. Regenkombi und Daunenweste (wenn es kalt wird, bis April/Mai) mitnehmen. Campingausrüstung: sofern man nicht nur in Hotels gehen will - eine hochwertige Campingausrüstung mit Leichtzelt, Schlafsack und Isomatte braucht nur 4 Kilo zu wiegen! Richtig ausgerüstet für echte Enduroambitionenen ist, wer bis zu 15, keinesfalls mehr als 20 Kilo Gesamtgepäckgewicht mitschleppt.
Im Gelände Rücksicht nehmen auf Esel- und Kamelreiter, Tiere scheuen leicht, immer hinter den Tieren vorbeifahren. Bei Flußdurchquerungen größeren Ausmaßes (in Winter und Frühjahr) bitte zuerst zu Fuß die Lage sondieren (Radlager zuhause vorher nochmals satt einfetten, evtl. Vergaserbelüftung daheim mit Schlauch hochlegen)! In der Sahara gilt besondere Umsicht. Nie voll fahren, gerade die scheinbar einfachen, schnellen Strecken sind die gefährlichsten. Die Reifen sollten (vorne und hinten!) in sandigem Gelände sehr angenehm mit 0,9 bar (nachmessen, bitte nicht weniger!) gefahren werden. Auf Steinpisten sofort auf 1,5 bar oder mehr aufpumpen. Im Dünengelände lernt man eines sehr schnell: nie an der falschen Stelle stehenbleiben, sonst kostet es viel Schweiß, wieder loszukommen (anfahren bergan ist praktisch unmöglich!).
Text: ©Possberg 1995