Possi's Ausrüstungs-FAQ

V 1.0.1 vom 16.03.97 zurück

Diese FAQ ist eine alte Email von mir zum Thema Motorrad-Ausrüstung für eine Afrika-Tour.


Area:  NETMAIL
von:   Claus Possberg
an:    Tim Wodraschka
Thema: Re: Enduro-Reisepartner gesucht

Am 07 Feb 95  schrieb Tim Wodraschka an Claus Possberg:

 TW:  Kann man seinen Wagen denn in Gibraltar, oder wo auch immer,
 TW:  stehenlassen? Oder gibt es da andere Moeglichkeiten, den Wagen allein
 TW:  zu lassen? Wir waren mal mit dem WoMo in der Gegend und nachdem wir
 TW:  essen waren hatte es keine Raeder und kein Innenleben mehr...

Natuerlich nicht in Gibraltar, womoeglich noch am Hafen??
Nein, ich denke man sucht sich eine nette, etwas bessere Pension oder ein
familiaeres Hotel 50 km landein und uebernachtet da, laesst dann 50 oder 100 Mark
da und die passen auf. So stelle ich mir das vor, Auto und Haenger wiederzusehen.

 TW: So. Jetzt geht?s los. Gute Vorbereitung: Planst Du jede Strasse oder jede  
 TW: Piste die Du dann faehrst oder erkundigst Du Dich vorher nach moeglichen  
 TW: Stationen? Ich kenne mich in Nordafrika kein bisschen aus - wie ist es  
 TW: denn z.B. mit der Tankstellendichte / Pannenversorgung usw. bestellt?

Es gibt gute Routenbeschreibungen (z.B. Daerr). Und Karten in denen Tankstellen
verzeichnet sind (Michelin). Natuerlich wird eine Route geplant (Karte und Reisefuehrer
waelzen!). In flachen Sand-Gegenden sind auch freie Offroadfahrten machbar - querdurch
(da ist aber Erfahrung noetig, es gehen sogar Ergdurchquerungen!). Dann kann man ja
immer noch vom Weg abweichen, fall es noetig oder sinnvoll ist. Die Routen meiner
div. Reisen haben sich aber i.d.R. als gelungen erwiesen, ich habe noch nie kuerzen
muesssen(!), gelegentlich liess sich sogar noch etwas dranhaengen. Der "Umkehrpunkt"
sollte nach einem Drittel liegen, Extratouren lieber _nach_ dem Wendepunkt einplanen.

 TW: optimale Ausruestung: Was gehoert dazu? Wenn man sich einen Globetrotter- 
 TW: Katalog oder Woick o.ae. anguckt findet man eine ganze Menge, die man  
 TW: angeblich unbedingt braucht. Aber die wollen ja auch verkaufen... Was  
 TW: braucht man denn an "Spezial-Wuestenzubehoer" ? 

Relativ wenig: warmen Schlafsack (im Winter sehr warm, Minusgrade nachts!),
14mm-Iso-Matte, Leichtzelt, zusammen moeglichst maximal 4 kg (ich
verwende den North Face Black kazoo-Schlafsack, 1,1kg und das Northface
Tadpole-Zelt 1,9 kg). Mikropur (kein Filter, allenfalls Kaffeefilter!!),
Bergsteigernahrung, Muesli, Salami, usw. Wenns geht, natuerlich dort essen
holen. Wasserkanister (5 Liter im Winter, dazu noch eine 1,5 l Trinkflasche
pro Person). Spritfester Benzinkocher (oder Holzfeuer machen, es gibt fast
ueberall welches in der Wueste), grosser (300ml) Blechbecher statt dem
Campinggeschirr. Leichtes Markenwerkzeug, Ersatzteile (je nach Maschine
und Einsatzzweck, auf jeden Fall aber Gaszug, Kupplungszug (evtl nur jeweils
die Seele mitnehmen plus Unviersalschraubnippel, gibts bei HG), Brems/
Kupplungshebel samt Schelle, Reifenpilot oder Flickzeug, daheim ausprobieren!).
Nur mit neuen Reifen/neuem Kettensatz losfahren (Originalteile, kein
Zubehoerschrott! Reifen evtl. erst in Afrika aufziehen, hier mit Altreifen starten).
Nicht lachen: Regenkombi (ich war z.B. 3 mal in Afrika, jedesmal hat es geregnet,
aber wie, SINFLUT!!, gottseidank nur kurz. Kleidung: Im Dezember/Januar/Februar
(Marokko bis April) Goretexkombi, sonst Crossjacke. Sehr angenehm sind Crosspanzer,
weil man, wenns heiss ist, die Jacke darueber ausziehen kann. Ausserdem sehr gute
Sicherheit. Morgens und abends ist es oft nur 10 Grad oder weniger, da hat sich eine
Faserpelzjacke und eine leichte Daunenweste sowie Skiunterwaesche bzw. Leggings
bewaehrt. Drueber die Regenkombi, wenns waermer wird eben auspellen. Die trockene
Kaelte ist ziemlich problemlos. Feste (Cross)-Stiefel sind wichtig, Knieschuetzer
in die Hose machen. Sehr wichtig: Packsystem. Die Superprofis packen nur eine robuste
Nylontasche auf den Sozius, die wissen genau was sie brauchen. Ansonsten robuste,
halbwegs sturzstabile Traeger und Koffer, mit Spanngurten sichern. Ich habe da immer
Alu-Eigenbauten verwendet, es ist noch _nie_ was kaputtgegangen. Wer mehr als 20 kg
auf so eine Fernreise mitschleppt, hat was verkehrt gemacht (nicht schaetzen, wiegen!!).
Ich hatte immer, _mit Sozius_ und 9 kg Video/Fotoausruestung, noch unter 25 kg.

 TW: Weil ich auch fliege werde  
 TW: ich mir wahrscheinlich ein GPS-Geraet kaufen. Allerdings werde ich mich  
 TW: auf meinen ersten Touren sowieso nicht in die Wueste wagen...

Warum nicht? Mit einem Partner und Vernunft (Orientierung, Ausruestung usw.) ist
das ohne weiteres moeglich. Und es geht auch ohne GPS, auch wenn ich heute nicht
mehr drauf verzichten wuerde.

 TW: Du hattest doch auch mal eine XL600, oder? 

Nein. Ich hatte mal eine XL350R, die ist aber im Prinzip aehnlich. Die hatte ich wegen
der Reichweite: mit dem 35-Liter-Ajerbis habe ich in Suedostasien bis zu 1050 km
geschafft, auch im Sand mit Sozius waren 600 km absolut sicher, ohne Kanistermitschleppen!
Der sehr grosse Tank hat mich dank guter Form nicht sehr gestoert, jedenfalls viel besser als
Kanister aufpacken. Ich bin sehr gross und langbeinig, da ist das kein Problem. Allerdings
waren die nur 30 PS im Soziusbetrieb manchmal schon eine Qual, fuer Solofahrer gehts aber.

 TW: Ich meine Du haettest mal sowas  
 TW: geschrieben. Wie hat die sich denn bewaehrt? Ich hatte bei meiner (27tkm)  
 TW: gerade einen kapitalen Motorschaden und jetzt ist der Motor oberhalb der  
 TW: Kurbelwelle neu. Allerdings zweifele ich jetzt an der Zuverlaessigkeit,  
 TW: weil ich eben bis jetzt nur schlechte Erfahrungen gemacht habe (eben der  
 TW: Motorschaden)...

Meine XL350R  ist mit 31000 km in Suedtirol an einem kapitalem Zylinderkopfschaden
verstorben. Die Ursache war ein vergessener Oelwechsel beim Kundendienst durch die
Fa. Motorrad Spaett in Muenchen. Ich habe mich dummerweise drauf verlassen und hatte
bereits 600 km spaeter die Quittung. Die Karre lief fast trocken auf dem alten indischen
Einbereichsoel. Ich habe dann Oel eingefuellt und bin tiefblau rauchend mit krachenden
Geraeuschen mit max. 60 nach hause, immerhin. Es war oben alles im Eimer.

Ich halte den Radialzylinderkopf fuer recht anfaellig. Nach 20000 km hoert man deutlich
mechanische Gerauesche. Gutes, kurzkettiges Oel (z.B. Shell Quadro o.ae.) ist fuer Einzylinder
wichtiger als fuer Superbikes. Das Fahrwerk der XL ist nicht schlecht (insbesondere das
sehr progressive Prolink und die Hinterradfederung sowie die Gabel), IMHO besser als das
der XT (insbesondere viel besser als das der aktuellen E-Start XT600). Besser auch als
das der DR600/DR650, die da mit ihrer kleinen Schwester DR350 nicht mithalten kann.
Die Sportenduros sind da natuerlich noch besser (TT, XR oder gar KTM bzw. Husky).


soweit diese Mail... Noch ein paar Teile-Detailtips für unsere Tour über Fasching, Ralf: -Benzinfilter in die Leitung machen (glasklare gibts z.B. von Bosch) -Kupplung und Gaszug -Kupplungshebelschelle -5 Speichen vo+ 5 hi, mit Nippeln -0,5 bis 1 ltr kurzkettiges Motoröl (einzylindergerecht, z.B. Shell Quadro, Schraubflasche!). -1 Luftfilter, 1 Benzinfilter -2 Kerzen, 1 Kerzenstecker incl Zuleitung -Sicherungen, Birnchen vo+hi+Blinker und Tesafilm zum Blinkerreparieren -Flickzeug (frisch kaufen!), Reifenventileinsaetze mit Ausschrauberkappe aus Metall -3 Montierhebel 30cm am Rahmen festschrauben -Ritzel für längere Übersetzung -Schalt-, Kupplungs-, Bremshebel -1 Dose frischer Reifenpilot, Taschenmanometer -Handluftpumpe (Original BMW-Teil, Serie bei Boxer- und K-Modellen) -bischen Kabel, Kabelschuhe, Luesterklemmen, Isolierband, Muttern, Schrauben -Eisendraht dick und duenn, Schlauchschellen -Zweikomponentenkleber, Fluessigmetall, Cyanacrylatkleber ("Superkleber") -Dichtmasse, nicht aushaertend (z.B. Hylomar, Dirko o.ä.) -kl. Tube Lagerfett -50 cm benzinfester Schlauch -Bordwerkzeug durch (leichtes!!) Markenwerkzeug ersetzen. -im Expeditionsladen gibt es ganz praktische federleichte Nylonbeutel für den ganzen Quatsch, da kann man das auf einige Beutelchen aufteilen und das ganze wieder in eine etwas grösseren Beutel tun, damit es nicht durcheinanderschüttelt. Sollte sich mit 2 kg (ohne das Öl und den Reifenpilot) ausgehen. -Benzin: 250km Reichweite ist wünschenswert (einmal am Tag tanken). Grösserer Tank (18-20 ltr.) ist besser als 10-ltr. Kanister extra. Ist ein Kostenfaktor, klar. Klamotten (Vorschlag, so werde ich es machen): -Goretexhose und Jacke (alternativ membranfreie Textilkombi plus Regenkombi) -2 oder 3 Paar Handschuhe, Verhüterli dazu nach Gewohnheit (ich hasse Sie!) -Daunenweste, Faserpelzhose lang plus Faserpelzjacke bzw. Faserpelz-Pulli. Die Faserpelzhose eignet sich auch so im Hotel statt Jeans extra. -U´Wäsche: ein Satz zum wechseln, 2-3 Paar Socken (falls nass), "Rei in der Tube" -2 kleine Handtücher -Brille, Ersatzbrille, So´Brille (falls Du es brauchst). Ersatzvisier evtl., Ersatzschlüssel für Partner (Auto und Motorräder). Ich nehme dazu einen Universalschraubenschlüssel für alle Achsmuttern mit. Erste Hilfe Zeug kümmere ich mich (allerdings kann ich auch keine chirurgische Ambulanz mitschleppen, mehr als EH ist eben nicht!). Ersatzschlauch, denke ich, lassen wir am Auto, ziemlich sperrig, zwei Stück pro Maschine. Da mir auf der letzten Motorradreise das Zelt geklaut wurde, habe ich letzte Woche in neues bestellt (Tadpole von North Face). Nicht billig aber ultraleicht (1950 g) mit 3 Bögen, zur Not für 2 Personen ausreichend (Breite 120). Als Schlafsack habe ich einen Northface "BlackKazoo" bis -8 Grad angegeben (muss nicht sein!), wiegt 1100g in Überlänge. Sehr zufrieden bin ich auch mit der Firma Celesta, da habe ich einen Winterschlafsack bis -25 Grad, der ist aber voluminös und wiegt fast 2 kg, den werde ich nicht mitnehmen. Keine Ware mit Baumwolle nehmen, ist schwer und trocknet langsam! Produkte, die in Osteuropa oder gar in China hergestellt und vernäht werden (z.B. Salewa usw.) würde ich nicht kaufen. Selbstaufblasende Schlafmatten sind zwar kompakt und bequem, aber relativ schwer und verletzlich. Ich bevorzuge für wilde Touren geschlossenzellige normale Matten (14mm stark, die 40 Marks-Klasse wählen, der Rest zerbröselt nach einem Urlaub). Den ganzen Kram in einen robusten Ortliebsack packen, wasserdicht. Eine oder zwei Alutrinkflaschen, ca 1-1,5 ltr. sind empfehlenswert. Papiere, Geld, Urlaub usw. -Pass, Peronalausweis. Visum für Rumänien gibts angeblich promt, kostet 48 Mark. Evtl. kannst Du hingehen und es gleich mitnehmen in Bonn auf der Botschaft, erscheint mir am sichersten, ich schicke Dir dann meinen Pass zu, bitte rufe morgen gleich dort an und sag mir Bescheid - an der Uni und in Expeditionsausrüsterläden gibts auch Kurierdienste für sowas. Am besten fragst Du auch, an welchem Grenzübergang zu Ungarn und Rumänien am schnellsten abgefertigt wird (Botschaften und ADAC). Per Fax bin ich immer unter 08502 922004 zu erreichen. Soweit bekannt, ist Ungarn visafrei (anrufen bitte), bei der Tschechei und Österreich bin ich sicher, dass man es nicht braucht. -Geld: DM sind in ganz Osteuropa begehrt, bares mitnehmen und dort umtauschen, ich werde ca.1200 Mark plus Notreserve mitnehmen, Tanken geht wohl auf Kreditkarte bis Ungarn (fürs Auto). -Grüne V´karte (Gültigkeitsbereich) -Nat. und intl. Führerschein/Fzg. schein (gibts beides auf der KFZ-Stelle) -Kopien der Explosionszeichnungen im Reparaturhandbuch. -Karten: wird noch besprochen. Ich habe leider keine gute Kartenbuchhandlung hier in Passau. Übersichtskarten habe ich schon. -Zeitraum: 24. bzw. 25.2.-5.3.95, Option bis 12.3.95 plus Deine Zuganreise. Übernachtung in meinem Haus bei Abendankunft ist natürlich problemlos möglich. Anfahrt ab Passau sind nur ca. 600-800 km (je nach Startpunkt in Ungarn), dürfte in einem Tag mit Hänger leicht zu machen sein. Wenn es mit den Rumänienvisa usw. Probleme gibt, dann beschränken wir uns auf Ungarn/Tschechei, da gibts bestimmt auch jede Menge legaler Pisten. Hab ich was vergessen? Gruss Possi

© 10.2.1995, Claus Possberg. Ergänzende Fragen werden auf Anfrage beantwortet. Counter