Possi's Motorrad-verschicken-FAQ

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von: Claus Possberg
an: Joachim Feucht
Thema: Possi's Motorradversand FAQ
Datum: 06 Feb 95 14:14:48
Area: MOTORRAD.GER

Am 06 Feb 95 schrieb Joachim Feucht an Claus Possberg:

Claus:
Amerika ist aber schön, fahrt mal hin (aber am besten mit der eigenen Maschine, das geht ziemlich günstig mit dem Flugzeug!).

Joachim:
Fällt mir grad wieder ein: hat mich neulich 'n Kumpel drauf angesprochen. Der wollte im sommer nach USA und sein Moped mitnehmen, hat aber null Plan (genau sowenig wie ich), wie man sowas angeht. Gibt's da Spezial-Spediteure, wie stellt man sicher, dass das Ped auch pünktlich ankommt, wie verpacken usw...
Vielleicht hast du 'n paar Tips auf Lage, könntest ev. sogar 'ne FAQ für's Echo draus machen...


Possi's Motorradversand FAQ (Telegrammstil)


Reiseland abchecken, oft wird ein sehr teures "Carnet du Passage" verlangt, in Indien ist die Sicherheitsleistung bei der Bank z.B. 20000 Mark (ich habe da mit meiner Bank so einen Kuhhandel organisiert!). Wenn die Karre wegkommt, ist die Kohle weg. über die Höhe gibt der ADAC Auskunft, der auch die Carnets vermittelt (kosten etwa 200 Mark). I.d.R. beträgt die Sicherheitsleistung so 2000-4000 Mark.
Zollgewohnheiten prüfen (Botschaft anrufen)
Das Problem in vielen Drittweltländern ist eine schleppende Abfertigung, insbesondere bei Seeversand. Du musst das Motorrad im Hafen erst mal finden, und die meisten grossen Seehäfen sind riesig und "betreten verboten". Zweckmässigerweise schaltet man einen ortsansässigen Spediteur ein (das habe ich in Bangkok und in Bombay so gemacht. Kostet aber, meist 200-300 Mark. Adressen haben auch grosse internationale Speditionen hier (ich habe ganz gute Erfahrungen mit "Union Transport". Schenker war in München nicht gerade hilfsbereit und extrem teuer. Wer das selbst durchzieht braucht gute Nerven und muss coooooooooool bleiben.
Luftversand. Kostet mehr, hat aber wichtige Vorteile: Abfertigung ist wesentlich schneller, die sind auf Lagerhaltung eh nicht eingestellt. Im gleichen Flieger mitfliegen ist noch teurer, aber problemloser, weil man spätestens am nächsten Tag die Maschine kriegt. Batterie abklemmen, Tank entleeren (Reserve habe ich immer dringelassen). Manche Luftfahrtgesellschaften stellen Spezialpaletten zur Verfügung, mit 4-6 langen (3 Meter) Spanngurten lässt sich die Maschine leicht befestigen. Sonst ist die Verpackung im Originalkarton die platzsparenste, da muss das Vorderad ausgebaut werden und der Lenker. Allerdings sind diese Verpackungen für den Containertransport gedacht und oft instabil (Pappe auf Holz/Blechgestell. Harley und BMW haben gute Kisten, Honda geht noch (zumindest bis 1991.). Evtl verstärken oder was Besseres bauen. Ein Gabelstapler hat mir mal so einen Pappkarton mit der Gabel quer durchgespiesst. Gottseidank waren nur ein paar Speichen hin, und die hatte ich dabei. Wenn man die vielen zertrümmerten Kisten in so eine Seefrachthalle in der dritten Welt sieht, dann wird einem ganz anders. Die gehen mit dem Zeug um, da wird einem schwindelig. Mindestens 50% aller dieser Havarien sind Totalschäden - naja, so ein 20 m hoher Kran... In der Seefracht wird nach Volumenkilogramm berechnet, beim Motorrad ist immer nur das Volumen ausschlaggebend, das es verpackt verhältnismässig leicht ist. In der Luftfracht spielt zusätzlich auch das Gewicht und die Breite der Palette eine Rolle.
Preise (selbst bezahlt, rumfragen und verhandeln bei den Speditionen!) so ca 600 Mark oneway nach Bombay, Schiff, Originalkarton, XL350, 800 Mark nach Bangkok (zurück im grösseren dort angefertigtem Karton via Singapore ca 1000 Mark). Luftfracht nach Vancouver, Kanada Westküste 1249 Mark hin und zurück(!), war ein Sonderangebot der Wardair wegen nicht ausgenützter Frachkapazitäten, wir sind im gleichen Flieger mit. Derzeit werden von auf Motorradfrachtvermittlung spezialisierten Firmen (GS Sportreisen, München, Bavaria Ltd. Reisebüro München, Fly and Bike, Bielefeld) eine ganze Reihe Ziele angeboten, das basiert meist auf Lufthansa und LTU-Tarifen und ist nicht billig (Fernreisen ab 2500 twoway). Luftfracht ist etwa 30% billiger. Die Air France ist relativ günstig nach Afrika, z.B. Kenia 1990 nur 900 Mark Mombasa-Paris.
Besonderheiten des Empfängerlandes: Vorher genau erkundigen, Australien verlangt z.B. eine Entseuchungsbescheinigung, keine Holzteile dürfen an der Verpackung sein (oder nur giftige!). Solche Sachen gut vorbereiten. Es ist zwingend erforderlich, die Geschäftssprache im Zielland zu beherrschen, in Südamerika Spanisch (bzw. Portugiesisch für Brasilien), Französisch i.d.R. für Afrika (Englisch in Südafrika), Südostasien, Australien usw. natürlich Englisch usw.
Manchmal ist der Zielland-Spediteur bereit, die Verpackung für die Dauer der Reise aufzuheben, falls eine Rundreise geplant ist. Es ist praktisch, dann die Anlaufstelle für den Rückweg schon zu kennen. In der dritten Welt ist es aber i.d. R. preiswert möglich, sich eine stabile Kiste machen zu lassen. Meine Tropenholzkiste (!), die dann via Umladen in Singapore nach Hamburg lief, kostete nur 80 Mark, ich habe sie jetzt noch am Speicher, was Besseres kriege ich hier garantiert nicht.
Das Motorrad leidet an der Seeluft. Containerversand ist, wenn irgendmöglich, vorzuziehen (oder Luftfracht). Meine Honda z.B. kam nach 10 Wochen Seereise hier ganz schön weiss angelaufen an, trotz der stabilen Kiste. Union hat die für nur 80 Mark im LKW mit nach München geholt. Die Verzollung hier in Deutschland ist problemlos, wenn man das als "rückkehrendes Touristenfahrzeug" deklariert und eine genaue Liste über den Kisteninhalt beilegt, dann wird auch i.d.R. nicht gewühlt, so dass das sogar der hiesige Spediteur die Verzollung übernehmen kann.
insgesamt sind die inzwischen existierenden Pauschalversandangebote sicher überlegenswert, da das gebahnte Wege sind, die einem viel Stress ersparen. Ich hatte damals die Wahl nicht -sowas gabs vor 10 Jahren noch nicht-, heute würde ich sie auch nutzen. Aber auch sowas kann schiefgehen, wie ich bei einem seinerzeit (1995) geplanten Containertransport nach Südafrika erleben durfte. Ich hatte damals nämlich eine Südafrika-Botswana-Namibia-Reise (5 Wochen) vor.
Manche Länder lassen eine Einreise mit Bikes garnicht zu, Beispiel China (leider!!!), Indonesien, Burma.
Bestechung. In Drittweltländern ist es üblich, bei wichtigen amtlichen Vorgängen Bakschisch zu fordern, sonst dauert die Abfertigung Wochen. Das Problem ist sehr subtil zu handhaben. Erstmal muss man die Situation richtig erkennen, weil ja nur selten offen gefordert wird (am ehesten noch an abgelegenen arabischen Grenzposten, da wird schon auch mal in Naturalien gefordert, z.B. eine Sozia über Nacht zu überlassen oder wenigstens das Kurzwellenradio...). Dann muss man versuchen den Vorgang zu verstehen - ist der Typ da gegenüber wirklich wichtig für mich oder tut der nur so? Sonst darf man nämlich noch weitere 20 Typen bestechen, das spricht sich ja sofort rum! Also, Augenmass.
Natürlich läufts in so Ländern wie USA, Kanada, Australien usw. korrekt. Dafür kann man da auch nicht handeln, wenn man ein Papier vergessen hat.
Papiere: nationale und internationale, und Fotokopien, davon getrennt. Versicherung ist in manchen Ländern abzuschliessen, in USA gehts sogar über die Allianz. Für Mexiko kann man z.B. die verlangte Haftpflicht Tage und Wochenweise preiswert an der Grenze abschliessen. Ansonsten fahre ich ohne Versicherung, da man in "Irgendwo" sowieso seine Ansprüche gegenüber einer solchen Haftpflicht nicht wird durchsetzten können. So kostet in Thailand z.B. eine tote Ehefrau eines Thai (von einem japanischem Touristen auf einem Leihjeep totgefahren) 1988 etwa 20000 Mark (lt. Polizeistation Pukhet, wo ich inhaftiert war wegen eines Verkehrsunfalles). Möglichst nur internationale Papiere vorzeigen und nicht wegnehmen lassen! Ich hatte immer 2 Pässe dabei, aber Vorsicht, wenn das rauskommt, gehts in diversen Länder sofort in den Knast!
Transportversicherung für Versand ab Deutschland: abschliessen, kostet meist nur ca. 1-1,5% der Versicherungssumme. Die Verlustrate kann durchaus höher sein, besonders bei Seefracht!
Schiffslaufzeiten lassen sich erfragen. Für Fernziele meist 3-8 Wochen. Lieber 1-2 Woche mehr kalkulieren, da Schiffe oft einige Tage Verspätung haben. Allerdings nicht zuviel, für das Gut sind Lagergebühren im Ziel-Hafen zu entrichen, die liegen bei 2 - 30 Mark am Tag.

© 10.2.1995, Claus Possberg. Ergänzende Fragen werden auf Anfrage beantwortet. Counter