Patagonien 2008
V 1.0.3 vom 28.02.09 updated 02.03.09 ©2009

Diese Reise von Anfang November bis Anfang Dezember war eine der buntesten und erlebnisreichsten Fernreisen überhaupt, unglaublich schöne Landschaften und unerhörtes Wetterglück verhalfen mir noch dazu zu wunderbaren Bildern. Ich hatte in Santiago beim KTM-Importeur eine KTM 990 EFI Adventure mit Alukoffern gemietet und in knapp viereinhalb Wochen eine Strecke von 12269 km zurückgelegt. Danach flog ich noch für drei Tage auf die Osterinsel, die ja politisch auch zu Chile gehört, aber natürlich eine völlig andere Welt ist - dieses Thema habe ich separat verlinkt. Es lohnt sich wirklich, die Fotoseiten bis hinten durchzuklicken, wo dann die spektakulärsten Aufnahmen kommen.
Die Reise war organisatorisch einfach, Flug und Mietmotorrad vorbuchen, kein Carnet, kein Visum. Im November ist dort Frühjahr, die Unterkünfte sind nicht wie im Januar überbucht, man findet eigentlich immer was. Zelt braucht man nicht, ausser man möchte gern zelten, was aber im häufigen Starkwind oft wenig empfehlenswert erscheint. Die Route habe ich wieder auf meinem Navi mitgeschnitten, hier im KML-Format (für Google Earth) und hier im GPX-Format (zum Aufspielen auf Navis und Kartenprogramme). Startpunkt war der Endpunkt von 2004, Santiago de Chile, von hier geht es durch das Vulkangebiet nach Süden nach Puerto Montt, weiter auf die Insel Chiloe und wieder zurück, von hier mit der Fähre nach Puerto Aisen nach Besuch der Laguna San Raffael. Von hier entlang der Careterra Austral bis Caleta Tortel, danach über die Anden nach Argentinien nach Chaiten, Mt. Fitz Roy, Calafate, Perito-Moreno Gletscher, dann wieder nach Chile - Puerto Natales, Torres del Paine, Feuerland, Ushuaia, Puntas Arenas, zurück auf der Ruta 40 nach Bariloche, Mendoza nach Santiago.
Für diese Reise habe ich ein Tagebuch mit vielen Details diktiert, das ist hier zu lesen. Nennenswerte Probleme hatte ich nicht auf dieser Tour, schliesslich bewegt man sich in sicheren Ländern mit moderner Infrastruktur und nicht irgendwo in der dritten Welt. Aber trotzdem ist die Tour anstrengend gewesen, erstens wegen der sehr langen Strecken über gespurte Kiespisten, wegen des fast allgegenwärtigen Windes (der oft Sturmstärke erreicht und immer von der Seite kommt) und wegen des rasch wechselnden Wetters, das insgesamt gesehen aber für die Jahreszeit wirklich gut war.
Die 2009er KTM 990 EFI Adventure (das Motorrad war praktisch neu) konnte ich während der Tour vorurteilsfrei kennenleren.

1. Ihre starke Seite ist das fantastische Fahrwerk, mit vernünftigen Reifendimensionen (21" und 18") und einer irren Gabel-, Rahmen- und Schwingen-Stabilität. Man fräst über die schlechtesten, verspurten Pisten und es rührt sich nichts, aber auch garnichts. Man kann so mit sicherem Gefühl recht zügig fahren, auch mit zwei Personen und Gepäck. Das definitiv beste Reise-Enduro-Fahrwerk auf dem Markt, ohne wenn und aber.

2. Die ganz grosse Schattenseite dieser Adventure ist der Motor. Er ist zwar wunderbar leicht und kräftig und dreht blitzschnell hoch, aber die fehlende Schwungmasse führt zu einem bis 4500 U/min hackendem, unkultivertem Lauf und kann unter 90 bis 100 km/h kaum im obersten Gang gefahren werden, ohne unwilligst mit der Kette zu schlagen und zu rucken. Man meint, man sitzt auf einem altem Einzylinder. Dazu kommt die schlechte Dosierbarkeit der Einspritzung, die vor allem bei geringer Leistungsabgabe heftigstes Konstantfahrruckeln produziert und z.B. ein feinfühliges Bergabfahren in kurvigem, rutschigem Terrain sehr erschwert. Man hat den Eindruck, als könnte man nur in Stufen Gas geben und nicht stufenlos, unter der kleinsten Stufe setzt die Schubabschaltung ein, der Übergang zum Gas erfolgt dann viel zu ruckhaft. Ausserdem muss das Motorrad erst ca. 5 Sekunden "gebootet" werden bevor man losfahren kann. Echt nervig, wenn man - wie ich zum Fotografieren - oft stehen bleiben muss. So geht das jedenfalls nicht, KTM muss die Einspritzung und vor allem die Einspritzelektronik grundlegend überarbeiten, BMW und Triumph hat das ja schliesslich auch im Griff.

3. Ein weiters Ärgernis ist der extrem hohe unzeitgemäße Verbrauch dieses Motorrades (im Tourenbetrieb in oberen Gängen, fast ohne Brems- und Beschleunigungsvorgänge, selten über 110 km/h gefahren: zwischen 7,5 und 8,5 l/100km). Der 19 Liter-Tank (ja, mehr ging nicht rein, mehrfach an der Tanke verifiziert) reicht bis ca 190 km, dann mahnt eine gelbe Lampe zur Tankstellensuche. Bei 245-280 km blieb ich dann üblicherweise wegen Spritmangels liegen. Daher habe ich zwei 12l Kanister gekauft und auf die extrem weit abstehenden Serien-Koffer (Dünnblech-Teile von Touratech, natürlich total undicht) geschnallt. Nicht ganz ungefährlich, und auch nicht gut für den Schwerpunkt, aber mit einer derartig geringen Reichweite habe ich nicht gerechnet. Unter solchen Bedingungen kommt mein Tiger 955i mit 5l/100km und meine über 25 Jahre alte HPN-BMW mit 5.5l/100km aus. In Patagonien sind 400...500 km Reichweite dringend zu empfehlen, denn nicht immer gibts überall Sprit an jedem Hahn und die Tanken sind oft 250 km und mehr auseinander. Dafür kostet das Super auch umgerechnet nur 75 Euro-Cent.

Alles Kleinigkeiten, aber es zeigt, dass KTM an Fernreisenden irgendwie nicht wirklich Interesse hat. Hier soll eher die laute "ready to race"-Klientel bedient werden, die ja wohl eh nicht stundenlang, tagelang im Sattel sitzt. Wenn KTM diese Schwachpunkte abstellt und einen richtigen Tourentank anbietet, kaufe ich das Motorrad sofort - und viele BMW GS Fernfahrer würden das, da bin ich mir sicher, auch tun.
Hier die schönsten 536 Fotos, die ich ausgewählt habe aus insgesamt 6964 Fotos von dieser Tour, auf 23 Seiten. Durch Anklicken der Vorschau kommt man zu den ganzseitigen Fotos (1500 Pixel breit), hier kann man auch mit den Pfeilen weiterblättern. Alle Fotos enstanden mit meiner Canon 1Ds Mark III, den Brennweiten EF14mm 2.8 L II USM, EF24-105mm 4.0 L IS USM und dem EF100-400mm 4.5-5.6 L IS USM, die Entwicklung der RAW-Dateien erfolgte in AdobeCameraRaw 5.2 mit den von mir entwickelten Makros zur Korrektur von Objektivfehlern und für verschiedene Lichtsituationen und optimalen Kontrast auf dem Monitor.

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