Possi's Enduro-Tour Thailand 1988 (2)

V 1.1.0 vom 27.02.96, letzter Update 07.09.04 ©1996


Dokumentation Thailand

Allgemeines:

Das Königreich Siam, so der alte Name Thailands, verband sich in der europäischen Vorstellungswelt schon immer mit dem Bild malerischer Tropenlandschaften, anmutiger Frauen, farbenprächtiger Paläste und exotischer Königshäuser. Doch das 20. Jahrhundert ging nicht spurlos an Thailand vorüber und verwandelte seine Hauptstadt Bangkok in eine pulsierende, moderne Metropole asiatischen Zuschnitts. Dagegen scheint im Hinterland teilweise wirklich noch die Zeit stehen geblieben zu sein, die Differenz zu Hauptstadt wird zunehmend größer, trotzdem gibt es in Thailand keine Straßen, die angefüllt sind mit verhungerten Bettlern, bedauernswerten Krüppeln und zerlumpten Jammergestalten (was manche Touristen ja noch malerisch finden), wie es in vielen anderen südasiatischen Ländern der Fall ist. Dafür sorgt der bewundernswerte Fleiß der Bewohner, der oft fruchtbare Boden und nicht zuletzt das recht kontinuierlich stabile, freiheitliche Wirtschaftssystem des Landes, ganz anders als in den sämtlich kommunistisch geführten Nachbarstaaten Burma, Laos und Kambodscha. Sie umschließen das Land strategisch vollständig und sorgen für einen ständigen Einstrom von Flüchtlingen aus Armut oder politischer Verfolgung. Lediglich die kurze Grenzlinie auf der malakkischen Halbinsel zu Malaysia kann passiert werden.

Tempeltänzerin in Bangkok

Reisezeit und Klima:

Thailand liegt ganz in den Tropen. Die mittleren Tagestemperaturen fallen daher nie unter 20 Grad Celsius. Eine Ausnahme bilden die wenigen, bis ca. 2500 m hohen Berge im Norden. Der Winter von November bis Februar ist trockener und für Zentralthailand die beste Zeit, bis Mai wird es dann sehr heiß. Ab Mitte Juni bis Oktober, in der Monsunzeit, ist das Klima unangenehm feucht. Auf der Malakka-Halbinsel gibt es kaum Jahreszeiten, es ist im Mittel zwischen 26 und 29 Grad warm, und es regnet öfters, insbesondere zwischen August und Januar. Wir waren von Ende März bis Mitte Juni unterwegs, den ganzen Jahresurlaub, sechs Wochen, in der Regel war es heiter bis sonnig-heiß.

Formalitäten:

Die thailändische Botschaft in Bonn erteilt Visa für 60 Tage (plus 60 Tage Verlängerungsmöglichkeit), sie verlangt eine Bestätigung einer gebuchten Tour oder die Kopie des Flugtickets. Burma verlangt für sein überteuertes Visum ein bestätigtes Ausreiseticket und gewährt nur sieben Tage Aufenthaltsdauer. Malaysia ist visumfrei für 2 Wochen, eine Verlängerung um drei Monate ist im Land möglich. Singapur verlangt ebenfalls kein Visum. Seit kurzem wird in Thailand das Carnet du Passage nicht mehr anerkannt (es kursierten zu viele Fälschungen), wir haben schon von Deutschland aus eine Sicherheitsleistung auf eine Thai-Bank überwiesen, um unser Fahrzeug aus dem Zoll zu bekommen. Die Zollvorschriften sind undurchsichtig, ich rate jedem von dem Fahrzeug-Import-Versuch ab. Der Nasenfaktor scheint auch eine gewichtige Rolle zu spielen. Malaysia und Singapur sollen das Carnet nach wie vor anerkennen, hier soll es weniger Probleme geben. Versicherungen haben wir nicht abgeschlossen.

Währung:

Zahlungsmittel ist der Bath. März 1988 war 1 DM etwa 15 Bath. Zweckmäßigerweise nimmt man sich außer geringen Mengen an baren US-Dollars noch Dollar-Reiseschecks mit. Die Thai Farmers Bank tauscht sogar Eurocheques. Eine Schwarzmarktkurs existiert nicht.

Anreise:

Jede internationale Spedition verschifft ein in eine Kiste verpacktes Motorrad (z.B. die Originalverpackung vom Händler, sie sollte aber stabil sein, auf keinen Fall Pappe) nach Bangkok. Das Schiff braucht rund sechs Wochen, die typische Seewegsverspätung von einer Woche kalkuliert man zusätzlich ein. Das kostet einfach etwa 600-800 Mark, herumfragen und verhandeln! Man kann auch in manchen Touristenzentren Fahrzeuge mieten, aber Vorsicht! Weitere Fahrten sind damit in der Regel nicht gestattet. Der Flug im "Tripper-Clipper" ist schon für knapp über tausend Mark zu haben, und ein Gabelflug über Singapur, Kuala Lumpur und/oder Hongkong ist auch nicht wesentlich teuerer.

Essen und Übernachtung:

Thailändisches Essen ist in der Regel für unseren Gaumen recht genießbar und auch in den abgelegeneren Provinzen hatten wir keine gröberen hygienischen Probleme wie in manchen anderen asiatischen Ländern. Man findet, Mobilität vorausgesetzt, eigentlich immer eine preiswerte, landestypische Unterkunft (kostet wenige Mark). Eine richtige Campingausrüstung haben wir für die kurze Zeit nicht vermißt, sie wäre eher Ballast gewesen.

Gesundheit:

Als Arzt empfehle ich stets Vorsicht bei nicht abgekochten Speisen und Getränken. Es empfiehlt sich nach wie vor die Malariagrundprophylaxe (Resochin einnehmen, Fansidar mitnehmen). Sie reduziert die Infektionsgefahr, ggf. kommen auch die neuen Medikamente Lariam und Paludrine infrage (Hausarzt befragen). Leider gibt es schon viele gegenüber Medikamenten weniger empfindliche Malariastämme. Weiterhin ggf. Impfung bzw. Auffrischung der Tetanus-, Polio-, Thyphus- und Hepatitis-Impfung. Bewährt hat sich Immodium gegen unkomplizierte Reisedurchfälle sowie Micropur (Fa. Katadyn) zur Wasser- und Getränkedesinfektion.

Ausrüstung und Fahren:

Bloß keinen unnötigen Ballast mitnehmen! Nur unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände, oder die am Ort garantiert nicht aufzutreiben sind! Dazu gehören Kartenmaterial, Reiseführer, Werkzeug, Minimal-Ersatzteile, Bordapotheke und Erste Hilfe, frisches Filmmaterial und Batterien, stabile und sichere Stiefel, eine luftige und strapazierfähige Jacke und Fotokopien der wichtigsten Papiere sowie der wichtigsten Seiten aus dem Fahrzeugservicehandbuch. Jede leichte Maschine kommt in Frage, für abgelegenere Strecken Enduros. Ich präparierte eine Honda XL350R mit einem stabilen Alugepäckständer und zwei 75 Liter Leichtmetallboxen der Fa. Zarges/Weilheim, dieses System hat sich schon früher bestens bewährt. Leider bietet der Markt nach wie vor keine Lösung für einen sicheren, stabilen Gepäcktransport über längere Offroadstrecken an, weder die Motorradhersteller selbst, noch die Gepäckträgerhersteller tragen hier den Bedürfnissen der Fernreisenden Rechnung, so daß man schon seit Jahren auf "Handgeschnitztes" angewiesen ist. In Thailand herrscht Linksverkehr, oberstes Gebot ist ein schnelles Reaktionsvermögen, es gibt zwar Verkehrsregeln, aber wer z.B. seine Vorfahrt nicht sofort in Anspruch nimmt, dem wird sie genommen. Wesentlich größeren Fahrzeugen gewährt man sicherheitshalber sowieso die Vorrechte. Alle Hauptstraßen sind gut geteert, die Nebenstraßen zumindest befestigt. Wir konnten ein Tagespensum von 150 - 550 km fahren, bei einer Gesamtstrecke von rund 6000 km.

Kosten:

Die Gesamtkosten mit den Flügen, Maschinen Hin- und Rücktransport, Benzin, Übernachtung, Essen, Eintrittsgelder usw. für sechs Wochen betrugen pro Person etwa 4000.-- DM, jede weitere Woche hätte ungefähr 200.-- DM gekostet (das Ereignis am Schluß der Reise mal ausgeklammert!).Diese Berechnung gilt nur, wenn sich (wie wir) zwei Partner die nur einfach anfallenden Kosten teilen.

Adressen:

Literatur:

gibt es viel, vorher viel lesen! Mit dabei hatten wir das Text: Dr. Possberg ©1988


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